Freitag, 22. August 2025

Heute weine ich

Wieder einmal. 

Endlich wieder einmal. 

Ich hab lange darauf gewartet - merke ich jetzt.


Ich weine nicht vor Glück, aber ich bin dabei glücklich.

Traurig und glücklich.

Weil ich erkenne, was mich so traurig macht. 

Die Trauer bringt mich zurück zu mir und das macht mich glücklich!

Sie führt mich in meine Mitte, wenn ich ihr den Raum gebe, den sie will. 

Den Raum, den sie im Moment gerade fordert. 


Heute weine ich und fühle die Trauer, die Schwere, wie sie mich zu Boden drückt, aber nicht erdrückend, nicht schmerzhaft, sondern gross, weit, öffnend. 


Ich weine, weil die Worte einer lieben Freundin mich so tief berührt haben und ich ihr Vertrauen in mich so sehr spüren durfte, dass ich dabei erkannt habe, wie wenig Vertrauen ich gerade in mich selber habe.


Ich erkenne, dass ich einen Traum, den ich schon ganz lange habe, nicht wirklich für mich angenommen habe, dass ich mir absolut nicht zutraue, das zu erreichen, was ich mir eigentlich wünsche und was ich bei anderen so bewundere, wenn sie da sind. 


Ich erkenne, dass ich etwas lernen will, weil ich es wissen will und nicht weil ich den Abschluss haben will, den ich dann - falls ich die Prüfung bestehen sollte - haben werde. 


Und ich erkenne, wenn ich es lernen will und den Weg gehe, ist es vollkommen egal, ob ich die Prüfung dann bestehe, weil ich auf dem Weg lernen werde, was ich lernen will. 

Vielleicht nicht so, wie es von Aussen gefordert wird (in der Prüfung), aber so, wie es für mich möglich ist, so wie es für mich machbar ist.


Ich hab mich erst gerade entschieden, diesen Weg zu verlassen und habe eine unheimliche Erleichterung gespürt und daraus gefolgert, dass die Entscheidung richtig ist. 


Ich habe mich wieder umentschieden. 


Und ich erkenne noch mehr, wie wichtig solche Umwege sind, um immer wieder noch näher zu mir zurückzukommen, noch mehr zu spüren, wo sitzt der Nagel im Fleisch, wo darf ich mich noch mehr befreien. 


Der Schmerz auf dem Weg war immer dieser Gedanke :“Ich schaff das nicht!“

Ich war überzeugt davon!

Ich schaff das nicht, ich kann das nicht, ich bin zu dumm, eigentlich für alles…


Das tut weh, so über sich zu denken!


Was schaff ich denn nicht?


Die Schlussprüfung - nur schon die Vorstellung davon hat mich zuweilen überwältigt, im unguten Sinne. 


Und das ist, wenn ich genau hinhöre, dann schon ziemlich das Einzige, was ich mir gerade nicht zutraue. 

Und doch hat dieses Einzige in den letzten Monaten soooo viel Gewicht bekommen. 

Warum? 

Weil ich ihm so viel Gewicht gegeben habe!

Weil ich „die Medizin“ schon vor langer, langer Zeit auf einen riesig hohen Berg hochgeschoben habe und sehnsüchtig von unten hochgeschaut habe, in diese unerreichbare Höhe und Ferne. 

(Seit ich in dieser Ausbildung bin, ist es tatsächlich so, dass dieser Berg mächtig zu bröckeln begonnen hat, was aber hier heute nicht das Thema sein soll.)


Muss ich die Prüfung denn schaffen?

Nein!


Warum will ich denn diesen Weg überhaupt gehen?

Einfach weil es mich interessiert, weil ich es liebe, in der Schule zu sitzen und zuzuhören. 

Weil ich mehr über die Medizin wissen will, weil ich immer wieder so staune, wie wir Menschen sind, wie unser Körper funktioniert, was für Wunderwerke wir sind.


Und nicht, weil ich diesen Abschluss haben will. 

Ich will den Weg gehen und es geht mir dabei nicht ums Ziel!

Es geht mir um den Weg!


Schaff ich den Weg?


Das weiss ich nur, wenn ich ihn gehe!

Und auf dem Weg kann ich immer wieder innehalten und in mir herausfinden, ob ich noch auf dem Weg bin, auf dem ich gerade sein möchte. 


Wenn ich es mir so überlege, bin ich ja nie nur auf einem Weg.

Das Leben ist mein Weg und mein Leben lebe ich.

In meinem Leben gehe ich viele verschiedene Wege!

Nebeneinander, gleichzeitig, sich überschneidende Wege, holprige und sanfte, anstrengende und wohltuende, erholsame und ermüdende. 

Einige Wege habe ich verlassen, andere wiedergefunden, die nächsten suche ich noch und alle Wege sind eine Möglichkeit im Leben. 


Alle!

In jedem Leben!

Irgendwie!


Also gehe ich weiter!

Auf den Wegen in meinem Leben.

Auf den Wegen in meinem Leben, für die ich mich entscheide. 

Und ich kann mich immer wieder anders und neu entscheiden!


In Verbindung zu mir, weil ich da und nur da, in mir, spüren kann, ob der Weg, den ich gerade gehe, der ist, den ich jetzt gerade wirklich gehen will.


Herzlichst 

Katrin


DANKE VON HERZEN, LIEBE FREUNDIN!





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