Mein Sohn hat, nachdem er sich auf eine einzige Lehrstelle beworben und ein Bewerbungsgespräch gemeistert hat, die Zusage für seine Traumlehrstelle bekommen! Nach einer einzigen Bewerbung!
Ich bin unheimlich stolz auf meinen Sohn und freue mich riesig, dass es diesmal so einfach gehen durfte für ihn!
Er hat sich vom ersten Kindergartentag an gegen das System Schule gewehrt!
Er hatte immer „gute“, wohlwollende Lehrerinnen, die ihn als Person mochten, er hatte mal mehr, mal weniger Freunde, war nie auffällig oder störend, hat aber schlicht und ergreifend nichts gemacht für die Schule. Zum Teil hat er die Schule auch verweigert.
Bevor ich selber Kinder hatte, habe ich 12 Jahre als Klassenlehrerin an der Oberstufe unterrichtet. Da war ich der Meinung, dass die Kinder eindeutig zu viel abgeklärt werden. Wer sucht, der findet.
Weil mein Sohn in der 1. und 2. Klasse sehr oft Fieber hatte und ich das nicht zuordnen konnte, habe ich mich, als besorgte Mutter, dann doch dafür entschieden, ihn abklären zu lassen!
Diagnose: Hohe Intelligenz und ein leichtes ADS.
Er wurde an eine Ergotherapeutin weitergeleitet, zu der er nach 3 Therapiestunden nicht mehr gehen wollte, weil sie ihn nicht von sich und ihrer Arbeit überzeuget hat. Sie hat ihn nicht da abgeholt, wo er gerade war. Er sagte, er hätte doch schon alles gesehen, was sie zu bieten habe.
Im Verlauf der letzten Jahre haben wir etliche Beratungen gemacht, sind zu verschiedensten Therapeuten gegangen, manchmal mit, manchmal ohne ihn, ich habe gefühlt hundert Bücher zum Thema gelesen und mich mit vielen Menschen ausgetauscht.
Ich hatte immer wieder Momente erlebt, in denen ich im Bezug auf ihn absolut zuversichtlich, aber auch immer wieder Momente, in denen ich fast verzweifelt war.
Meine grösste Angst war immer, dass er „abstürzen“ könnte, dass er den Boden unter den Füssen verlieren könnte, dass er sich selber aufgeben würde! Meine Fühler waren sehr oft nur nach ihm ausgestreckt, ich wollt immer herausfinden, wie es ihm geht, hab sehr oft das Gespräch mit ihm gesucht. Manchmal war er zugänglich, manchmal nicht, so wie wir es alle sind!
Was ich mir von den Beratungen und den Therapien erhoffe hatte, war Sicherheit! Ich hatte so sehr das Bedürfnis, dass mir jemand sagt, wie ich es machen sollte oder dass ich es gut mache. Ich habe mich nie verstanden, aber auch nie völlig unverstanden gefühlt! Aber wirklich langfristig geholfen hat mir lange nichts!
Manchmal bin ich fast daran verzweifelt, weil ich dachte, ich sei Schuld daran, dass er sich so verhält. Dass er meine Abneigung gegenüber unserem Schulsystem von mir übernommen habe.
Es gab Zeiten, in denen glaubte ich nicht mehr daran, dass er seinen Weg finden würde. Ich befürchtete, dass er aus seiner Game-Leidenschaft nie mehr herausfinden würde.
Es gab Zeiten, da war ich mir absolut sicher, dass alles gut kommen würde, dass er seinen Weg finden würde, dass er sein Glück finden würde!
Diese Zeiten haben sich immer abgewechselt, mal mehr, mal weniger.
Noch vor einem Monat habe ich in bedrängt, er soll jeden Tag eine Bewerbung verschicken, weil er sonst keine Lehrstelle finden würde. Man weiss doch, dass es viele Bewerbungen braucht, dass es nicht möglich ist, eine Lehrstelle auf den ersten Streich zu bekommen, besonders in diesen Zeiten nicht, mit Corona, wo sowieso alles viel schwieriger ist!
Und doch ist es möglich, Wunder geschehen!
Das einzige, was ich wirklich weiss, ist, dass ich ihn in dieser ganzen Zeit immer geliebt habe! Ich habe ihn geliebt, auch wenn es anstrengend war, auch wenn er mich in Situationen gebracht hat, die schwierig waren für mich, aber natürlich auch in den Momenten, in denen ich mich ihm sehr nah gefühlt habe, in denen er mir seine tollen Seiten gezeigt hat.
Ich habe ihn immer bedingungslos geliebt! Dafür musste ich nichts tun, daran musste ich nie arbeiten! Und durch dieses Gefühl war ich immer so mit ihm verbunden, dass ich grundsätzlich eben doch gespürt habe, was weiter zu tun war. Nur habe ich diesem Gefühl eben nicht immer vertraut.
Im Verlauf vom letzten Jahr habe ich in Coachings gelernt, was für mich Selbstliebe bedeutet und wie ich sie für mich annehmen kann. Ich weiss nun wieder, dass ich gut bin, so wie ich bin. Auch als Mutter. Ich habe erkannt, dass ich meinen Gefühlen vertrauen darf und das auch im Umgang mit meinen Kindern.
Es geht in jeder Situation, in der ich mich schwer fühle um meinen Themen und somit immer um meine Gefühle und nicht um die meiner Kinder.
Ich bin als Mutter nie verantwortlich für die Gefühle meiner Kinder!
Es reicht, wenn ich einfach da bin für sie und sie liebe!
Wenn sie Hilfe von mir wünschen, kann ich mit ihnen zusammen schauen, was ich tun kann. Wenn sie aber meine Hilfe nicht wollen, darf ich darauf vertrauen, dass sie es alleine können - auch wenn sie es möglicherweise anders machen, als ich es machen würde oder als andere mir sagen, wie es sein sollte.
Indem ich ihnen vertraue, erlaube ich ihnen, ihren eigenen Weg zu finden.
Indem ich für sie alle Möglichkeiten offen halte und daran glaube, dass sie ihren Weg finden können, ermögliche ich ihnen, den auch zu finden und zu gehen.
Das ist nicht das Gleiche, wie wenn ich denke :„Mach doch einfach, was du willst!“ Denn da schwingt ja immer noch der Satz mit, dass ich es aber besser wüsste, wie es sein sollte. Und das stimmt einfach nicht!
Ich kann nie „wissen“, dass alles gut kommt!
Aber ich kann mir erlauben, daran zu glauben! Ohne wenn und aber!
Indem ich mich selber liebe, mir alles erlaube zu sein, sogar die schlechtesten Mutter aller Zeiten, kann ich aus meiner Selbstverantwortung heraus meine Kinder in ihre Selbstverantwortung entlassen. Meine Kinder können auch glücklich werden, wenn ich als Mutter Fehler mache!
Denn wenn ich mich selber liebe und mich nicht immer wieder selber verurteile und hinterfrage, dann kann ich viel leichter mit Situationen umgehen, in denen ich wieder zu zweifeln beginne. Solche Situationen wird es immer wieder geben. Indem ich mir selber erlaube, bei mir zu sein und mir selber zu vertrauen, mache ich es meinen Kindern so viel einfacher, sich auf sich selber zu konzentrieren und ihren eigenen Weg zu finden.
Und ich mache es mir so viel einfacher, in mir die Antwort zu finden, die mir dann genau in dem Moment helfen wird.
Wenn es für mich schwierig wird, höre ich ganz genau in mich hinein, finde heraus, was ich gerade über mich denke, was ich fühle und wie ich mich verhalte. Da, wo die Schwere ist, kann ich herausfinden, welche Gedanken, welche Glaubenssätze mich daran hindern, leicht zu sein, mich selber zu lieben. Und diese Glaubenssätze kann ich ändern!
Ich bin mir sicher, dass diese lange Zeit für mich einfacher gewesen wäre, wenn ich mir selber mehr vertraut hätte, wenn ich mir schon früher wieder meiner Selbstliebe bewusst geworden wäre! Wenn ich mir schon früher wieder erlaubt hätte, mich einfach zu sein.
Schlussendlich bin ich aber heute einfach nur unheimlich dankbar, dass ich jetzt da bin, wo ich gerade bin und dass ich für mich immer wieder so vieles erkennen kann.
Ich habe nichts falsch gemacht die ganzen Jahre! Und zwar nicht, weil er die Lehrstelle bekommen hat, sondern weil ich es einfach so gemacht habe, wie ich es gemacht habe.
Wahrscheinlich würde ich es heute anders tun, aber das ändert die Vergangenheit nicht. Umso mehr fühle ich mich bestärkt, dass ich auf meinem Weg richtig bin, da wo ich jetzt bin und da wo mein Weg mich noch hinbringen wird.
Ich glaube, der Erfolg von meinem Erstgeborenen ist auch für meine drei jüngeren Kinder sehr wertvoll, weil es mir als Mutter bestätigt hat, dass ich bei meinen Gefühlen bleiben darf, dass ich es „richtig“ fühle und so für meine Kinder die Mutter sein kann, die ich sein will!
Nämlich einfach ihre beste Mutter der Welt! <3